Mit der Analogkamera unterwegs auf Sri Lanka

Die Kamera ist auf das Motiv gerichtet. Dann noch kurz die Belichtung und den Fokus angepasst, bevor der Auslöser gedrückt wird. Soweit, so gut, diese Prozedur dürfte jedem Fotografen ausreichend bekannt sein. Der Blick fällt schließlich auf die Rückseite, um das geschossene Bild zu überprüfen. Doch halt, hier gibt es kein Display – wir haben es mit einer analogen Kamera zu tun: Da, wo ansonsten ein kleiner Bildschirm ist, schaut mich die schwarze Rückwand meiner Kamera an. Das fertige Bild werde ich erst mehrere Wochen später sehen, sobald ich meine Filme in der Dunkelkammer entwickelt habe.

Zugegeben, Analogfotografie kann mühsam sein. Gerade im Urlaub freut man sich, abends die Bilder vom Tag zu sichten und erste Favoriten auswählen. Und überhaupt: Ist es nicht toll, von besonderen Motiven gleich mehrere Bilder auf einmal zu schießen – ein gutes Bild wird schon dabei sein? Dagegen das große Bangen mit den Analogfilmen: Ist das Foto tatsächlich was geworden? Stimmt die Belichtungszeit? Und wurde das Motiv so auf Film gebannt, wie ich es mir vorstelle?

Und dennoch nehme ich regelmäßig meine analoge Kamera mit auf Reisen mit und lasse die Digitalkamera daheim zurück. So zum Beispiel auf unserer letzten Reise nach Sri Lanka. Mich begleitet meine treue Leica Kamera, deren Kanten schon Patina angesetzt haben und die das gleiche Geburtsjahr wie ich hat. Dazu kommen eine Handvoll Schwarzweißfilme, die ich im Anschluss an die Reise zuhause entwickeln werde.

In Sri Lanka übernachten wir die erste Nacht bei Steffi in Colombo, die direkt am Meer wohnt. Am Morgen wecken uns die vorbeirasenden Züge und ich gehe mit meiner Kamera auf den Balkon, um den etwas trostlosen Strandabschnitt zu fotografieren. Einige Männer haben sich auf die Gleise gestellt und schauen Richtung Meer. Ich mag die leicht melancholische Wirkung des Bildes, ebenso wie bei dem folgenden Foto, bei dem eine Krähe auf dem Balkongeländer landet.

Was ich an dieser Art der Fotografie schätze, ist die bewusstere Art des Bildermachens. Ohne die Möglichkeit, geschossene Fotos in Sekundenbruchteilen später auf dem Display zu betrachten, muss jedes Motiv im Kopf visualisiert werden: Wie möchte ich den Bildausschnitt komponieren? Worauf stelle ich den Fokus scharf? Wie belichte ich, dass ich möglichst den gesamten Kontrastumfang einfange?

Unsere Reise geht weiter und wir fahren mit dem Zug nach Ella. Kurz vor Abfahrt schieße ich dieses Foto innerhalb des Bahnhofs von Colombo. Eigentlich mache ich das Foto eher beiläufig, bin dann aber überrascht, wie atmosphärisch es in Schwarzweiß herüberkommt: viele Schatten, welche im starken Kontrast zum grellen Tageslicht stehen, und die vorlaufenden Schienen, die ein wenig das Licht reflektieren. Das ist das Schöne an der Filmfotografie: Ob ein Foto gelungen ist oder nicht, lässt sich nur sehen, sobald Film und Vergrößerungen entwickelt wurden. Dann kommt die Stunde der Wahrheit: Ich freue mich über Bilder wie das vom Bahnhof, bin aber auch enttäuscht über so manches andere Foto, das nicht so geworden ist, wie ich es mir vorgestellt habe.

Da ich vorzugsweise schwarzweiß fotografiere, muss ich mir überlegen, ob das jeweilige Motiv überhaupt geeignet ist. Schnell wird aus einer farbenfrohen Landschaft sonst ein grauer Einheitsbrei. So ist Ella ein wunderbarer Berg-Ort und von unserem Gästehaus genießen wir ein tolles Waldpanorama im satten Grün. Ein Schwarzweißfoto gibt diese Pracht leider nur unzureichend wieder. Einige Tage später machen wir jedoch einen Ausflug zu einer Tee-Farm und in den späten Nachmittagsstunden sehe ich am Ende eines Spaziergangs folgendes Haus, das einen starken Kontrast zu seiner Umgebung bildet. Ein ideales Schwarzweißmotiv! Das trifft ebenso auf das darauf folgende Oldtimer-Bild zu, bei dem die tiefschwarze Karosserie voll zu ihrer Geltung kommt.

Die Schwarzweißfotografie schränkt die Motivauswahl ein, was aber auch ein positiver Punkt sein kann, weil man seine Umgebung nach anderen visuellen Maßstäben als bei der Farbfotografie bemisst. Ich suche deswegen gerne Texturen wie Holzmaserungen, die in Schwarzweiß besonders gut zur Geltung kommen. Ebenso gut geeignet sind Kontraste, wie bei diesem Bild von Laub, das sich auf dem Dach von unserem Bungalow im Sinharaja Nationalpark abgesetzt hat. Nach Ella ist das unser letzter Zwischenstopp, bevor es ans Meer geht.

Kurz vor unserer Abreise fahren wir noch in die Hafenstadt Galle, die mit einer gut erhaltenen Altstadt in einer ehemaligen Festung lockt. Während wir auf der Festungsmauer am Meer entlanglaufen, nehme ich dieses Bild von einer Gruppe von Jungs auf, die sich an verschiedenen Wassersprungübungen ausprobiert. Da die üblichen Filme nicht mehr als 36 Bilder fassen, muss jede Auslösung wohlüberlegt sein. Doch ich habe Glück und erwische genau den Absprung des Springers.

Ein weiterer Vorzug der Analogfotografie sind die vielen günstigen Kameras, die man auf eBay und anderen Gebrauchtmarktbörsen finden kann. Selbst absolute Spitzenmodelle, die ehemals sehr teuer waren, findet man dort heute für kleines Geld, seitdem sie von ihren digitalen Nachfolgern beerbt worden und Staub in vielen Haushalten sammeln. So habe ich mir vor einigen Jahren eine Leica Kamera zugelegt, mit der ich zuvor schon lange geliebäugelt hatte. Zwar werfe ich manchmal einen Blick auf die heutigen Digitalmodelle von Leica, doch die Preise sind jenseits von Gut und Böse. Und ob diese so langen halten werden wie ihre analogen Vorgänger, ist sicher mehr als fraglich.

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